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Millionen wollen sie
wiedersehen

Die „Göttliche Garbo“

Ein Lebensbericht von James London

Um Greta Garbo wird es wieder lebendig. In Hollywood hat der neue Metro-Chef, Dore Schary, den Autor John Gunther beauftragt, einen neuen, großen Garbo-Stoff vorzubereiten. Und in Westdeutschland startet die Metro den 18 Jahre alten Garbo-Film „Königin Christine“, nachdem sich 67 Prozent der westdeutschen Kinobesitzer diesen Film als Beginn einer neuen Greta-Garbo-Renaissance ausgewählt haben.

    
Recht bürgerlich sieht Familie Gustavson aus: Greta, 12 Jahre, mit Ponny und Schleife, der Seemannsvater im Sonntagsstaat und die Mama, die ihre Tochter nach dem frühen Tode ihres Mannes allein aufzog. Noch fiel Greta niemand auf.

Dreimal Greta – aber immer noch Gustavson – als
Hutmannequin auf der Reklame eines Stockholmer
Modegeschäftes, wo sie mit 15 Jahren (Bild rechts)
als Verkäuferin begonnen hatte. Ein junges Mädchen
mit großer Theaterleidenschaft.

Im Badeanzug fing es an. Greta spielte ihre erste „Rolle“
in einem Reklamefilm, in dem sie mit einer anderen Schönen
in Freiluftgymnastik die Vorzüge moderner Badetrikots
demonstriert. Der Aufstieg zur dramatischen Flimmerkunst
beginnt mit Kurzfilmen und der Verfilmung von
„Gösta Berling“.

Ein gewisses Etwas erinnert schon an die künftige Greta
Garbo, als Greta Gustavson nach zweijährigem dramatischen
Unterricht ihre ersten Bühnenrollen in einem Stockholmer
Theater spielt. Die Kritik nimmt nicht viel Notiz von der jungen
Schauspielerin mit den großen Augen, nur der Regisseur
Mauritz Stiller wird auf sie aufmerksam. Sein Urteil:
„Unmöglich, aber gut.“
 

         
Den ersten Sprung nach oben schaffte sie nur mit Hilfe Stillers. Ein Berliner Produzent bot dem Regisseur einen Film an. Der sagte zu, unter einer Bedingung: „Greta muß mit.“ Nach langem Hin und Her gaben die Berliner nach, sie nahmen die junge Schwedin mit in Kauf. Bald darauf war „dieses Dummerchen“ Garbo begehrtes Objekt der Photographen und Karikaturisten.

 
La Garbo, wie sie zum Massenidol wurde:
Im „Bunten Schleier“ spielt sie eine Arztfrau,
streng, einsam, hoheitsvoll. Erst in Hollywood
entdeckte man die „nordische Schönheit“ und
schuf einen Kult, der Krisen und Wechsel in der
Traumfabrik überdauert hat.
Die Silhouette der „Göttlichen“ ist neben der
eisigen Reserve der einzig unveränderte, große
Trumpf der Schwedin geblieben.

 

Zweidrittelmehrheit für Come-back
der „Göttlichen“

Seit fünfzehn Jahren feiert in Stockholm an jedem 18. September der „Bund der GG-Mitschülerinnen“ sein und ihr Geburtstagsfest. GG ist Greta Gustavson, genannt Garbo, und die Jugendfreundinnen treffen sich allherbstlich, weil GG (im Jahre 1905) an diesem Tage geboren wurde. Seit fünfzehn Jahren senden sie eine Glückwunschdepesche in die Villa ihrer Schulfreundin und lassen sich in ihrer Begeisterung und Treue nicht stören, obwohl GG nie dankt. So ist nun mal GG. Jedes der Mitglieder erinnert sich noch genau des stillen, verträumten, schmalen Kindes, das mit dem stets gleichen hellblauen, verschlissenen Kleidchen auf einer der letzten Bänke hockte. Die großen traurigen Augen in dem Pausbackengesicht wurden noch größer und trauriger, wenn sie eine Frage der Lehrerin nicht beantworte konnte. Greta besaß nie eine Herzensfreundin. Sie war eine Einzelgängerin und galt laut Zeugnis als „strebsam, sauber, wohlerzogen, aber leider zu oft abgelenkt und unaufmerksam“. Sonntags ging Greta mit der Mutter, an der sie nach dem frühen Tod des Vaters sehr hing, in einem dunkelblauen Matrosenkleid mit blauweiß gestreiftem Uniformkragen in die Kirche. Greta war die eifrigste Benutzerin der Klassenbibliothek. Sie schrieb sich die Rollen aller jugendlichen Heldinnen aus den Dramen von Hendrik Ibsen ab und konnte sie an ihrem vierzehnten Geburtstag auswendig. Um sich Geld für Stehplatzkarten im Königlichen Schauspielhaus kaufen und in die Nähe von Theaterleuten kommen zu können, half Greta bei einem Friseur, der viele Darstellerinnen als Kundinnen hatte. Kolleginnen, die auch spielbesessen waren, nahmen sie in einen Verein von Schauspiel-Amateuren mit. Die scheue Greta erhielt in „Peer Gynt“ eine ganz kleine Rolle. In der Premiere verliebt sich der Leiter der Hutverkaufsabteilung des Warenhauses Bergström in ihre Stimme und verschaffte ihr eine Stellung als Verkäuferin in seinem Ressort. Ihr begeisterter Verehrer ließ Greta n einem Reklamefilm für seinen Damenkopfputz aufnehmen. Es ist nicht mehr zu ermitteln, ob sich daraufhin der Umsatz seiner Hüte steigerte. bekannt ist nur geworden, daß der Direktor des Königlichen Schauspielhauses, Gustav Molander, bei einem Besuch im Kino plötzlich seiner Begleiterin zuflüsterte: „Die da...“ Seine Nachbarin erblickte, wie auf der Leinwand ein steifes, ungefüges, allzu junges Ding mit zwei Riesenaugen einige alberne Wagenräder auf den Struwwelkopf stülpte. „Was ist mit der da?“ forschte sie. „Die kann was“, erklärte der Allgewaltige von Stockholm, beschaffte sich die Adresse der gefilmten Probiermamsell, bat sie zu sich und fragte die dürre, lange, entsetzlich scheue Person, die bei ihm linkisch antippelte: „Wollen Sie zur Bühne?“ – „Ja.“ – „Ich schicke Sie für zwei Jahre in die Königlich Dramatische Akademie.“
      Hier studierte Greta Gustavson vom frühen Morgen bis in die Nacht. Stundenlang hockte sie bewegungslos vor dem Spiegel und betrachtete jede Stelle ihres Gesichts. Ihre Abgangsrolle war die Elida in Ibsens „Frau am Meer“.
      „Unmöglich, aber gut“, urteilte der jugendliche Regisseur Mauritz Stiller und ließ sich ihr vorstellen. Es war der entscheidende Augenblick in ihrer Laufbahn, als die siebzehnjährige Stockholmerin verlegen aufschaute und ihrem Landsmann die Hand reichte. Von diesem Moment an hatte sie Mauritz Stiller nie mehr verlassen, und noch heute, mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem frühen Tod, gedenkt sie dieser ersten großen Liebe ihrer Jugend und schwört: „Mauritz war der wertvollste Mensch, dem ich je begegnet bin.“
      Mauritz Stiller widmete sich der Anfängerin mit der Leidenschaft seines Künstlertums: er studiert mit ihr alle klassischen Rollen durch, läßt sie auf kleinen Vorstadtbühnen auftreten, er überrascht sie eines Tages mit einem Plan: sie soll die Hauptrolle in seinem neuen Film, die Gräfin Dohna in dem Roman „Gösta Berling“ von Selma Lagerlöf, spielen. „Ich habe nur einen kleinen Wunsch... Du mußt dir einen Künstlernamen wählen... Deiner ist zu lang... ich denk' da an ein portugiesisches Wort... an Anmut.. das heißt Garbo... was hältst du von Greta Garbo?“
      Der Film erscheint. Europa klatscht begeistert Applaus. Nicht der Darstellung. Sondern der Regie. Mauritz Stiller wird berühmt. Die Berliner Trianon-Film-Gesellschaft kabelt ihm nach Stockholm: „Bieten Regie für Großfilm an.“ Stiller kabelt zurück: „Ja, falls Engagement meiner Hauptdarstellerin möglich.“ Man ist in Berlin gar nicht entzückt, gibt aber schließlich nach. Stiller dreht mit Greta und ihrem Partner Lars Hanson Außenaufnahmen in der Türkei; da bricht die Trianon zusammen.
      Erst nach Wochen peinlichster Enttäuschungen treibt Stiller einen Menschenfreund auf, der die gestrandeten Filmleute auslöst und die Reise nach Berlin vorschießt. Der Film ist nie erschienen. Stiller sucht nach neuen Aufträgen. Er könnte sie haben, aber alles scheitert an seiner Bedingung: Nur mit Greta Garbo. Er ist überzeugt, daß sie eine neue Duse ist. Man lacht ihn aus, weil er sich für das „Dummerchen“ einsetzt. Richard Eichberg sieht sich die Schwedin an und entscheidet sich für Anny Ondra. Endlich gibt der Spielleiter G. W. Pabst der Garbo eine kleine Rolle in seiner Verfilmung des Hugo-Bettauer-Romans „Die freudlose Gasse“.
      Es ist eine Geschichte aus der österreichischen Inflation, in der Werner Krauss als Schlächter seine selten gewordene Ware nur an liebeswillige Kundinnen (Asta Nielsen und die Gräfin Esterhazy) verkauft. Nach der Uraufführung findet ein Festessen für alle Beteiligten statt. Erst am Ende der Erfolgsfeier fällt auf, daß die Darstellerin einer der kleinen Partien fehlt. „Ach, ja, die Stillersche, wie heißt sie nur... ja, ja, die haben wir ganz vergessen.“
      „Du Greta, mit uns wird hier nichts“, meint Mauritz Stiller, als er die begeisterten Kritiken über den Film, aber keine Silbe über Greta Garbo liest. „Wir ziehen weiter. Nach USA!“
      So wandern die beiden Schweden weiter. Den Partner Lars Hanson lassen sie bald nachkommen. Stillers Berliner Freunde, das Ehepaar Berthold und Salka Viertel, nehmen sie in ihr Häuschen in Santa Monica auf. Berthold ist Literat, Salka war bei Reinhard als Mea Steuermann eine Schauspielerin. Sie haben sich einen einflussreichen Kreis in Hollywood geschaffen.
      Bei ihnen verkehren die oberen Fünfzig aus der benachbarten Traumstadt. Eines Abends erblickt der Herr von Metro Goldwyn Mayer die scheue Schwedin und sagt: „Yes, Greta is OK!“

 


Alles ist schon mal dagewesen – sogar
die „Sünderin“. Und sogar mit Greta Garbo
als Hildegard-Knef-Vorgängerin. Es ist
allerdings einer der kaum bekannten ersten
Stummfilme aus den unsicheren Berliner
Zeiten, als außer dem Regisseur Stiller
niemand an die Garbo glaubte (rechts). Das
typische Profil verrät ein Schnappschuß
aus der Zeit, als sie im Stockholmer Theater
spielte (oben).

Vamp Anno 1925 – sechs Jahre vor
Marlene Dietrich spielte die Garbo
den Reiz des halboffenen Mundes,
der nackten, fröstelnden Schultern
und des Schleierblickes in dem Film
„Freudlose Gasse“ aus.
 
Über den Teich. Nachdem die nordische Schönheit die
Filmmoguln in der Friedrichstraße kalt gelassen hatte,
setzte ihr Mentor und Freund Stiller alles auf eine Karte:
Hollywood. Und die Karte stach.
 
In großer Pose und in „original javanischen Kostümen“
tanzt die Garbo als Mata Hari in dem gleichnamigen
Monstrefilm. Trotz allen Ausstattungsprunk oder gerade
deshalb blieb die Schwedin immer Greta Garbo,
unverkennbar und sich immer gleich. Dieses Sich-Gleich-
und -Treu-Bleiben war und ist ihr stärkstes Plus.
 
„Es gibt kein Geheimnis um mich“, erklärte die Garbo,
als sie selbstsicher, erfolgsverwöhnt und sehr schön von
ihrer Schwedenreise 1930 in die USA zurückkehrte. Damals
beschäftigten sich alle Zeitungen mit ihrer angeblichen
„Romanze“ mit dem berühmten Dirigenten Leopold
Stokowski. Die Schlagzeilen-Prophezeiungen gingen
diesmal sowenig in Erfüllung wie bei allen anderen
angeblichen Romanzen um die Greta Garbo.
 
 
Im nächsten Heft:
24 Welterfolge der Garbo
  

 

from:   HEUTE     Nr. 146   26. September 1951
© Copyright by   HEUTE

 

 

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